Weißwurst meets Bratwurst

Widmung: Für die Münchner Ministranten und Ministrantinnen – schön war’s gewesen
und für alle, die nicht dabei waren – viele Grüße, ihr habt was verpasst.

Im zweiten Anlauf hat sich letztendlich doch im Rahmen eines Besuchs beim ehemaligen Münchener und derzeitigen Prior des Würzburger Karmelitenklosters, Pater Elias, ein Treffen der Würzburger Ministranten und Ministrantinnen mit den Münchner Ministranten und Ministrantinnen ergeben: Isar meets Main, Oktoberfest meets Afrika Festival, Schloss Nymphenburg meets Festung Marienberg oder eben München meets Würzburg.

Am 11. Juli so gut wie pünktlich um 11 Uhr standen die Tore zum Hof des Klosters, in welchem die Franken bereits sehnsüchtigst die Ankunft der Ministranten und Ministrantinnen vom St. Theresia erwarteten, offen. Die Wartezeit wurde natürlich sinnvoll genutzt: Befinden wurden erfragt, Nachzügler eingesammelt, das Alphabet vorgetragen, die Anzahl der derzeitigen Ministranten und Ministrantinnen klargestellt und Grillen haben gezirpt.

Endlich fuhren zwei Autos in den Klosterhof. Schnell war klar: „I’Munich seyifikile!“ also „München ist angekommen!“. Aus den beiden PKWs stiegen vier Bambiniministranten bzw. Ministrantinnen, vier Teenyministranten bzw. Ministrantinnen, die Gemeindereferentin von St. Theresia und eine Münchner Mutti aus. Unseren Besuch konnten wir natürlich nicht erst in Ruhe ankommen lassen, da umgehend eine spannende Vorstellungsrunde und ein neugieriges Bekanntschaft-Schließen notwendig war. Obwohl es sich „nur“ um eine nationale oder gar bayerninterne Begegnung handelte, kam die heitere Stimmung dem Weltjugendtag gleich.

Mit einem stärkenden Trank im Refektorium konnte der erste offizielle Tagesordnungspunkt angegangen werden: eine im Speisesaal beginnende Klosterführung, die nicht einmal für die Hiesigen uninteressante und längst bekannte Fakten, Daten und Anekdoten beinhaltete sollte. Alle Blicke schweiften wie durch eine Zeitreise an beeindruckenden Gemälden und schließlich an unzähligen mit mannigfaltigen, wichtigen, von fast allen gelesenen Büchern angefüllten Regalen in den verschiedensten Zimmern bis unters Dach entlang. Die Sakristei holte uns wieder zurück in den realen Alltag. Mit der Sakristei, die so eingerichtet ist, dass man um eine sehr große Holzkommode Fangen spielen könnte, und mit unsren geradezu ästhetischen Ministrantengewändern konnten wir absolut punkten. Aber es sei selbstverständlich gesagt, dass alles seine Vor- und Nachteile und jede Medaille zwei Seiten hat.

In der Kirche selbst gibt es unfassbar viel zu entdecken und besprechen. Von den Wandgemälden über den Baldachin bis hin zum Streichelzoo – insbesondere den Ratten, die den Türrahmen zum Beichtstuhl zieren. Wer allerdings die Bananenschalen im Altargemälde noch nicht entdeckt hat, der sollte sich diesbezüglich dringendst aufklären lassen!

Die Krypta kam uns allen an dem doch recht warmen Samstag sehr entgegen und das nicht nur, um zu lernen, dass R.I.P. nicht nur für Ruhe In Phrieden oder Rest In Peace, sondern vielmehr für Resquiescat In Pace steht, dass das Gebäude einst von reuenden Frauen bewohnt wurde, dass der Baldachin sich genaugenommen bis in den Keller erstreckt und dass das Vermieten der Locoli als Schlafplatz in hitzigen Nächten sicher ein riesen Geschäft wäre.

Gegen Mittag war es an der Zeit, die Mauern des Klosters zu verlassen und in das bukolische Würzburg hinaus zu ziehen. Auf dem Weg zum Kaufhofdinea bot sich die Gelegenheit, nun über St. Theresia ins Gespräch zu kommen: die Farbe des Kirchturms, die Art der Ministrantengewänder, das anstehende Pfarrfest sowie Aktionen aktiver Ministranten. Bei Salat, Pommes, Schnitzel und Mouse saßen wir friedlich beieinander, wobei die positiv ausgefallene Blickprognose des Essens durch unseren vitalisierten Geschmackssinn bestätigt werden konnte. Ein Lob an die Fritteuse!

Am Ende unserer Begegnung hatten wir offensichtlich über unseren Tellerrand hinausgeschaut, hatten wir offensichtlich über die Weinberge der Hauptstadt von Unterfranken hinaus geblickt und bleiben so als Ministranten und Ministrantinnen sowie als Kirchgänger und Kirchengängerinnen der Karmeliten, deren Ordensmitglieder – ganz nach Heraklits Ausspruch „Panta Rhein“ – mit ihrem Hin- und Herziehen das karmelitanische Untereinander und Miteinander über eine Stadt hinaus belebt halten, verbunden.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle all denjenigen, denen sonst nie gedankt wird und die das Treffen ermöglicht haben – durch das Übernehmen der Autofahrten, das Vorbereiten der Führungen, das Zubereiten des Essens, das zuverlässige und stets pünktliche Vermitteln von E-Mails, das Repräsentieren der Münchner Ministranten und Ministrantinnen, das Bilden eines reisewilligen Pater-Elias-Fanblocks, das Vertretern der Würzburger Ministranten und Ministrantinnen (das konnten im Übrigen leider nur drei – PS: Alle guten Dinge sind DREI).

Neue Kalender für 2014

Kalender 2014Am kommenden ersten Adventssonntag bieten wir im Anschluss an die Gottesdienste wieder unseren Kalender für das Jahr 2014 an. Der Preis je Exemplar beträgt 6,50€. Wie in den letzten Jahren enthält der Kalender Motive aus dem Kirchenjahr rund um das Reuererkloster. Mittlerweile handelt es sich schon um den 10. Jahrgang. Die Erlöse setzen wir für Gruppenaktivitäten ein.

Wer Interesse hat, möge am Sonntag um 09.30 Uhr, 11 Uhr oder 18 Uhr unsere Gottesdienste besuchen, ansonsten ist er aber auch an der Klosterpforte erhältlich.

日本へ

Sono quasi quattro giorni che dovevo lasciare Roma. Pensavo che sia una partenza facile ma invece è stato veramente dura. Quest’anno aveva nauralmente i suoi problemi e qualche difficoltà e sopratutto alcune persone erano un incubo talvolta. Non ho mai incontrato così tanti pazzi in un punto. Però è stato un’esperienza unica. E all’ultima serata era comunque difficile di salutarli. Anche se sono tutti matti monaci, mi hanno accolto bene. Quasi ogni persona là mi mancherà e perfino ho trovato alcuni amici. Il mio insegnante di giapponese che mi dava lezioni ogni tre giorni anche durante gli esami. Il lavoratore della casa con cui lavoravo tanto. In qualche modo anche il giardiniere. I lavoratori della cucina e quello che lava piatti. E sopratutto il brasiliano ridente che viveva accanto a me. Grazie per tutte le serate bellissime con cachorro-quente. È stato veHamente unico con LEI! Oltre alla gente di Sant’Anselmo sentirò naturalmente la mancanza della città. Roma è forse il luogo più bello del mondo e sarà duro di abituarmi alla Germania di nuovo. Come si vive, come si parla, come si guida, come si attraversa la strada. Questo tutto sembrava fatto soltanto per me. O Roma, che farò senza di te?

La fase più disperata era durante e dopo il congresso degli abbati. Come ci hanno trattato e quanto dovevamo lavorare era incredibile. Sono grato che alcuni amici hanno impedito che interrompo la mia attività precocemente.

Bärenbrüder

E per concludere. Grazie Lukas! Non potrei immaginarmi una persona migliore per passare un anno a Roma!

P.S.: Ich liebte ein Mädchen, die liebte mich nicht, also brach ich ihr das Genick!

Die letzten Tage der Ministranten in Rom

Am Donnerstag war ich leider anderweitig in Arbeiten eingespannt und konnte die Gruppe deshalb nicht zur Engelsburg und zu den Katakomben begleiten. Am Abend stand für sie noch die Fronleichnamsprozession statt, die vom Papst angeführt von Lateran nach Maria Maggiore führte.

Der Freitag war der letzte Programmtag und wir nutzten ihn dazu nach einer Besichtigung von Sankt Paul vor den Mauern mit einem Tinnitus erst nach Ostia Antica und dann zum Strand zu fahren. Dort ließen wir bei Spiel und Spaß die Woche ausklingen. Abends luden mich noch Onkel und Tante auf ihrem Überraschungsbesuch in Rom auf eine Pizza ein und nahmen zum Glück noch meinen höllisch schweren Koffer mit nach Deutschland.

Am Samstag wurde ich früh von Christopher geweckt, mit dem ich das Auto von Sant’Anselmo zum Vatikan fuhr. Dort verabschiedete ich mich auch schon von den Ministranten. Am Abend gewann der FC Bayern das Triple!

Lemminge (Tag 3+4)

Am 3. Tag der Romreise hatte ich morgens frei, weil ich auf einen weiteren Besuch in den Vatikanischen Museen verzichtete. Dafür kamen die Kollegen um kurz nach 13:00 zum Mittagessen, das wir dann nach einem kurzen Rundgang getrennt von den Insassen Sant’Anselmos einnahmen. Nach dem Pranzo liefen wir den kurzen Weg zur Piazza Venezia. Von dort aus bestiegen wir das Nationaldenkmal, wovon ich nicht wusste, dass man das kann. Von dort aus erhaschte man schon einen netten Blick auf Forum und Colo, die unsere nächsten Stationen sein sollten. Für den Eintritt mussten wir erstaunlicherweise gar nichts zahlen durch Christophers magisches Dokument. Zum Abendessen gingen wir nach Trastevere in eine etwas ungestüme Pizzeria.

Am 4. Tag der Romreise standen die privilegierten Dinge auf dem Programm. Zuerst besuchten wir die Vatikanischen Gärten. Leider konnten wir nicht an den päpstlichen Gemächern vorbei, wie das das letzte Mal der Fall war, denn dafür war ich als visitatore nicht wichtig genug. Die Gärten waren aber auch sehr schön. Nach einer Merendina in der Unterkunft gingen wir los, um die Tickets für die Nekropole, das Petrusgrab unter der Petersbasilika, abzuholen. Die Führung dauerte anderthalb Stunden und führte uns an heidnischen und frühchristlichen Gräbern vorbei zu der Stelle, wo Petrus möglicherweise begraben liegt. Der Fremdenführer machte seine Aufgabe sehr gut und es war ein ziemlich interessantes Erlebnis.

Abends stand mein erstes Abschiedsessen auf dem Programm. Und alles rompt mir den Cazz.

Anfang vom Ende (Tag 1+2)

Jetzt sind sie endlich da und läuten das Ende meines Abschieds ein. Die MdKkW kamen pünktlich schon vor 20:00 gestern in Sant’Anselmo an und stellten dort ihren Wagen ab. Wir machten uns sofort in eine Pizzeria, in der ich zuvor sichergestellt hatte, dass wir Fußball CL-Finale schauen können. Wir als große Bayernfans brachten eine Menge Unruhe in diese nicht gerade fußballerische Atmosphäre. Und am Ende kannte unser Jubel keine Grenzen. Die Leute hat’s wohl eher amüsiert.

Heute morgen dann gleich zum Vatikan gelaufen, um mich mit der Gruppe zu treffen. Dort schauten wir uns die Kuppel und von ihr aus Rom an. Danach besichtigten wir die Peterskirche. Als wir hinausgingen begann das Angelusgebet, bei dem der Papst ein heute in Palermo seliggesprochenes Mafiaopfer würdigte. Nachdem wir uns aus der Masse wieder freigekämpft hatten, erstmal ausruhen in der Unterkunft. Die ist wirklich schön und direkt neben dem Vatikan gelegen. Zum Glück wenig vergleichbar mit Teufels Küche, die wir das letzte Mal bewohnten. Als wir uns ausgeruht hatten, machten wir uns mit der Metro auf zur Kapuzinergruft, wo man Leichen stapelt. Geschickterweise haben sie ihr langweiliges Museum nun an die Gruft angeschlossen und verlangen einen Festpreis dafür. Die nächste Station waren die spanischen Treppen, bei denen wir ein Pauschalreisegruppenfoto (so ein Wort geht nur auf deutsch) gemacht haben und uns etwas entspannten, um dann zum Trevibrunnen aufzubrechen. Schließlich passierten wir noch das Pantheon, aßen ein Eis in einer leider bekannten Eisdiele Roms, passierten die Piazza Navona, aßen ein besseres Eis bei einer unbekannten Eisdiele Roms. Weil wir abends picknicken wollten, kauften wir noch Nahrungsmittel ein. Wurde dann jedoch schon erstaunlich dunkel, als wir das Picknick auf dem Gianicolo begannen (zu diesem Zeitpunkt hatte Lazio das Derby schon gewonnen). Wie die Vandalen ließen wir den inoffiziellen Camping- und Grillplatz zurück. Inklusive Denkmalschändung. Und die Kamera hats gesehen. Danach trennten wir uns. Tag 1 und 2. (Neymar zu Barcelona)

Basst scho‘!

Irgendwie nichts passiert letzte Woche. Wir hatten Streit mit dem Gärtner, weil er der Meinung ist, wir würden uns beim Prior über ihn beschweren und um 2 mal Garten die Woche zu erflehen anstatt 3 mal. Beides allerdings nicht wahr. Der einzige, der sich je beim Prior beschwert hat, war er. Es bleibt also alles beim Alten, was ihn total wütend macht und wir das jetzt zu spüren bekommen, indem er uns immer, wenn er uns sieht, dumm anmacht. Kann uns egal sein, weil er keine Macht über uns hat. Nur komisch diese Entwicklung, weil wir uns eigentlich bisher ganz gut mit ihm verstanden haben. Vielleicht ist ja irgendwas passiert. An Pentecoste gab es nach dem Mittagessen im Refektorium ein kleines Konzert. Erst spielte ein Argentinier auf einer Gitarre ein Fischerlied aus seiner Heimat. Unglaublich schön. Dann spielten ein Senegalese auf einem fremden Instrument mit vielen Saiten ein senegalesisches Lied, während ein Landsmann dazu sang. Auch wunderschön. Danach performte ein Chinese ein Lied auf einer chinesischen Flöte. Sehr fremd und sehr schön. Als letztes sang ein Chor aus sechs Koreanern (also Choreaner) ein koreanisches Lied mehrstimmig. Außerordentlich schön anzuhören. Konnte mich gar nicht entscheiden, was dann das schönste war. Danach gab es einen kleinen Drink. Im Hof waren einige Spirituosen vorbereitet worden. Das wurde dann für einige Mönche ein dermaßener Abschuss. Ansonsten lern ich noch viel Japanisch und verbringe die Zeit wie immer. Nächste Woche kommt dann ihr.

Gomorrha

Diese Stadt ist krank. Sie ist ein Moloch aus Beton und Stahl, ein Schmelztiegel aller Kulturen, ein Hort für Gesetzlose, ein großer Haufen Müll. Schon am Hauptbahnhof bedrohen dich Räuber und Diebe mit Rasierklingen und nehmen dir alles bis auf die Unterhosen weg. Obdachlose ohne Zahl schlafen in gigantischen Bergen von Abfall. Und alles wirtschaftliche Leben steht unter dem drohenden Schatten der Camorra. Das beschreibt relativ genau das Bild, das ich von Neapel hatte. Ein Bild, das vor allem durch deutsche Medienberichte und Reiseerzählungen gezeichnet wurde. Und dennoch – oder gerade deshalb – wollte ich es mir nicht nehmen lassen, diese Golfmetropole einmal selbst zu besuchen. Den Entschluss dazu fassten Lukas und ich sehr spontan für den nächsten Tag (Dienstag). Montagabend verleibe ich mir noch mittels Wikipedia den ungefähren Stadtplan Neapels ein, indem ich mich an Himmelsrichtungen orientiere, und stecke die touristischen Ziele ab, die man unbedingt mal gesehen haben muss. Lukas beschäftigt sich derweil mit den besten Orten, an denen man Pizza essen kann, denn die wurde schließlich in Napoli erfunden. Am nächsten Morgen brechen wir mit 80€ in der Tasche (ich fürchtete, es sei zu wenig) von Termini auf und nehmen einen fürchterlich nach Urin stinkenden Regionalzug in den Süden, der rein optisch eher an einen transmongolische Güter- als an einen europäischen Personenzug erinnert. Das erste, was bei der Einfahrt in Neapel auffällt, ist die gähnende Leere der Bahnsteige. Außer der Personen, die aussteigen ist weit breit niemand zu sehen und zu hören.

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Der berüchtige Hauptbahnhof ist hingegen sehr belebt. Tatsächlich treffen hier alle möglichen Völker und Kulturen aufeinander. Doch im Gegensatz zu Termini ist die moderne Napoli Centrale ein Ort mit gemäßigtem Tempo. Der Wettervorhersage zum Trotz – es sollte den ganzen Tag lang regnen – erwartet uns ein strahlend blauer Himmel und warme Temperaturen um die 25-30°. Eine frische Brise, die schon auf die Nähe zum Meer schließen lässt, vollendet das angenehme Klima. Sofort nach dem Betreten der Piazza Garibaldi vor dem Bahnhof taucht man ein in das pulsierende Leben der zweitgrößten Metropolregion Italiens (Nein, Rom ist nur Platz 3). Ein chaotisches Straßensystem, gegen das die Hauptstadt wirkt wie Veitsöchheim, und Massen von Menschen schieben sich durch die engen Gassen im Schatten von riesigen baufälligen Häusern, die mit Wäsche behängt sind, als wären sie ein beginnendes  Kunstprojekt von Christo und Jeanne-Claude (was auf dem Foto leider nicht zu sehen ist).

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Man muss nur eine Straße überqueren und schon kommt man vom spanischen ins japanische Viertel, von Beinahe-Slum zu luxuriöser Altbau. Auf der Suche nach der ersten Pizza fragen wir zwei alte Herren, die bei einem zugesprayten Heiligendenkmal sitzen nach dem Weg zur Via Tribunali. Die beiden altersschwachen stehen sofort auf und geben uns eine präzise, sympathische und ausführliche Beschreibung, dass die Straße 50m von hier entfernt sei. Dem Stadtplan nach zu urteilen eine große Einkaufsstraße. Sie entpuppt sich allerdings als ein schmaler Gang gesäumt von Häuserwänden aus dem 18. Jahrhundert, in dem alle Geschäfte und sogar die Kirchen auf engstem Raum in die Wände eingelassen wurden. Hatte ich noch Befürchtungen mit meinen 20€ nicht um die Runden zu kommen, werden diese schnell zerstreut. Die von Lukas bestellte Autoreifengroße Pizza Margherita kostet 3€. Und sie schmeckt phänomenal. Eine Offenbarung. Nach noch weiteren zwei Pizzen dieser Art bei anderen Must-Have-Pizzerien biegen wir richtung Süden ab, um an den Hafen zu gelangen. Kaum sind wir abgebogen, finden wir uns im studentischen Viertel wieder. Fallen in Deutschland studentische Viertel durch Buchläden mit mordsinteressanten Buchtiteln zur Jurisdiktion und alternative Cafès, wo man für eine Tasse Tee 3€ zahlt, auf, sticht hier sofort ins Auge, dass beide Unis besetzt sind. So weit die Hände ragen sind alle Häuser zugesprüht mit sozialistischen Parolen. Viva Carlos! Free Palestine! Hammer und Sichel und für mich steht fest, ich studiere in Napoli. Zumal die Bevölkerung die jüngste und hübscheste ist, die ich seit langem gesehen habe.

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Nach einem Besuch in einem Comicladen, der wirklich alles hat, was an Comics seit den Cro-Magnon-Menschen erschienen ist, sieht man zwischen den Häuserzeilen schon erste Schiffe. Schließlich an der Bucht angekommen nimmt das Kreuzfahrtschiff Norwegian Epic einem durch seine gigantische Größe (Name ist Programm) die komplette Sicht auf den Golf und den Vesuv, der an diesem Tag in Wolken gehüllt ist. Neben dem skandinavischen Luxusliner stehen noch etliche andere Riesenschiffe vor Anker, um demnächst nach Gibraltar, Südfrankreich oder Sardinien in See zu stechen.

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Wir laufen am Hafenufer entlang und gelangen schließlich zu den Privatschiffen, einem Gewirr aus Mästen und Segeln. Der Anblick erinnerte mich an das, was ich auf Fotos von der Mittelmeerküste Frankreichs gesehen habe. Die alten Hafengebäude verlieren alle schon ihre ehemals strahlenden bunten Farben und reiche Snobs sonnen sich auf den Decks ihrer Yachten, wofür ich plötzlich sehr viel Verständnis habe.

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Schließlich ragt eine Art Steg von Riesenfelsen weiter ins Meer hinein, auf dem sich die Neapolitaner, jung und alt, auf Handtüchern und mit Kofferradios ausgestattet sonnen oder das Wetter zum Baden nutzen. Vom äußersten Rand hat man einen schönen Blick über die Bucht und den Vesuv.

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Wir verlassen das Meer nach einem etwas längeren Aufenthalt und nähern uns wieder der Innenstadt. Dort besuchen wir den zentralen Orientierungspunkt Piazza del Plebiscito. Die Kirche mitsamt den Kolonnaden, erbaut als Huldigung an Bonaparte, ist so gigantisch groß, dass ich auch aus der größtmöglichen Entfernung nur knapp alles auf die Linse bekomme.

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Danach geht’s zur wunderschönen Einkaufsgalerie Umberto I. Sie erinnert etwas an die ähnliche Galerie in Mailand, deren Namen mir gerade nicht einfällt. Ein sehr detailreicher Bau mit einer Kuppel aus Glas und Metall.

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Zu sagenhaft günstigen Preisen kaufen wir noch die ein oder anderen Dinge ein und machen uns dann schon wieder auf den Rückweg zur Via Tribunali. Die Orientierung fällt erstaunlich leicht. Bevor wir wieder zurück zum Bahnhof gehen, wollen wir noch dem Dom von Neapel einen Besuch abstatten, der in einer Seitenstraße der Tribunali liegt. Mit einer weiteren Pizza lassen wir uns auf dessen Stufen nieder. Ein Mann mittleren Alters, der vorbeikommt, schaut uns an, bleibt stehen und fragt mit italienischem Akzent: „Deutsch?“ Wir natürlich: „Ja.“ Und schon entsteht ein nettes Gespräch mit dem Neapolitaner, der, wie sich herausstellt, mal in Neu-Ulm gelebt hat. Während er sich eine Tüte ansteckt, klärt er uns (inzwischen wieder auf Italienisch) über die miserable Situation in seiner Stadt auf und wie sich alles die Hand gibt. Dass er seinen fünfjährigen Sohn überhaupt mit dem Auto wohinfahren muss, nur damit der Fußball spielen kann. Ebender kommt dann auch plötzlich weinend mit dem Ball an und meint, ein Polizist habe ihm verboten Fußball zu spielen. Der Vater stürmt sofort zum Polizisten (mit dem Joint in der Hand) und mischt ihn erstmal auf. Warum denn solche scheißehässlichen Blumentöpfe dastehen, in denen nicht mal was wächst, aber Kinder vertrieben werden? Der Polizist beruhigt ihn und meint, vor der Kirche gehe es halt einfach nicht. Damit geht der Vater dann schließlich auch d’accordo, nur sein Sohn fragt heulend: „Ma che cosa cazzo devo fare?!“ (etwa: Was soll ich denn jetzt machen, verfickte…?!), was den Vater automatisch stolz wie Oscar stimmt und er mit seinem Sohn einschlägt, weil er schon mit fünf Jahren einen solchen Wortschatz draufhat. Schließlich frage ich noch, ob die Kirche sehenswert ist, was mir der Sohn schnell mit einem „È brutta la chies-aouh!“ (Die Kirche ist hässlich, aber wie) beantwortet und mit seinem Vater abschürt. So spektakulär ist sie dann wirklich nicht und sie bleibt an dem Tag die einzige Kirche, die wir von innen betrachten.

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Mit einer weiteren Pizza kehren wir zum Bahnhof zurück, wo wir sehen, dass unser Zug dreißig Minuten Verspätung hat. Wir lassen uns auf einer Bank nieder, auf der schon ein schlafender, geschätzte 35 jahre alter Mann sitzt, der aufwacht, als wir uns setzen. Auch mit ihm geraten wir in ein Gespräch und es stellt sich heraus, dass er am Bahnhof lebt und ab und zu dort Arbeiten verrichtet, die er angeboten bekommt. Er erklärt uns, wer am Bahnhof alles Polizisten in Zivil sind und wir haben kurz Spaß dabei zu sehen, wie auffällig unauffällig die sind, als er feststellt, dass eine halbe Stunde warten zu lange ist und uns prompt zu einem Bier in einer Bar einladen will, was wir natürlich gerne annehmen. Innerlich lache ich kurz auf, was unsere Eltern wohl sagen würden, wenn sie wüssten, dass wir einem obdachlosen Neapolitaner, der uns am Bahnhof anspricht und uns auf ein Bier einlädt, in eine Bar folgen. Aber wir haben alles unter Kontrolle und steigen schließlich im Besitz unserer beiden Nieren und sieben Sachen in den Zug ein, der uns zurück nach Rom bringt und wieder nach Pisse riecht. Oh Mann.

Geburtstagsleid

Am 30. April hatte Lukas Geburtstag. Den Tag haben wir nicht sonderlich begangen, sondern haben im Büro von Emidio (Haupthandwerker Sant’Anselmos) ein bisschen Kuchen gegessen. Herzlichen Glückwunsch dennoch. 😀

Am 1. Mai geht in Rom die Post ab. Zig Konzerte und Veranstaltungen werden gegeben, um den Tag der Arbeit zu feiern. Wir wurden allerdings von Wolfgang, der uns bisher immer die Karten für die Gärten besorgt hat, eingeladen, mit ihm zum Essen nach Rocca di Cave zu fahren. Nur wenige Kilometer von Rom entfernt beginnen schlagartig die Albanerberge und, ehe man sich versieht, ist man in 1200m Höhe. Die Straßen im Gebirge sind sehr kurvig und zum Teil so eng, dass man selbst mit einem Auto Probleme hat zu passieren. Natürlich trotzdem „zweispurig“. Unser Gastgeber hatte dabei einen so halsbrecherischen Fahrstil drauf, dass mir nach einigen Serpentinen alles verging.

Die Alabanerberge sind wirklich großartig. Wenn es nicht dießig ist, wie natürlich bei unserem Ausflug, dann kann man bis zum Meer sehen.

Lichter Blick

Zahllose Serpentinen später fanden wir uns auf dem erstaunlich flachen und weitläufigen Dach des Gebirges wieder; und wurden überrascht. Eine Stunde fuhren wir auf verlassenen Trampelpfaden, die von Menschen gebaut wurden, die sich einen VW Touran nicht in ihren schlimmsten Träumen hätten vorstellen können, und auf einmal stoßen wir auf dem Gipfel auf Hunderte von diesen Vans. Zahlreiche Familien nutzten den Tag der Arbeit um auf den almartigen Ebenen zu grillen, zu campieren oder Fußball zu spielen.

1200m

Zuerst fuhren wir in eine alte Kirche, die nur noch von zwei schrulligen Polen bewohnt wurde. Papst JP2 sei gerne dort gewesen heißt es. Wer war also zuerst da? Der Papst oder die Polen? Das alte Gemäuer liegt an einer Grotte, in der dem Heiligen Irgendwas mal ein Hirsch begegnet sein soll, der ein Kreuz als Geweih hatte. Der Eingang zur Grotte ist allerdings so eng, dass schon ein übergewichtiger Mensch ernsthafte Probleme hat hineinzukommen. Und da soll ein Hirsch rein? Vielleicht eine evolutionäre Anpassung. Ein Geweih wäre zu breit, um in die Grotte einzutreten, also sind Tiere mit einem Kreuz statt eines breiten Geweihs auf dem Kopf selektiv bevorzugt … in der Grotte … oder so. Oben auf dem Hügel war ne Glocke. Die war cool.

kärch

Grotteneingang

Grodde

Grotte von innen

grodde innen

Treppen, die von der Kirche auf einen Glockenberg führen

dreppe

Glockenberg

Glockenberg

Wir haben Fun beim Glockenläuten… und gehen allen tierisch auf den S…

glogge

Blick vom Glockenberg aus

bligg

Danach fuhren wir nach Rocca di Cave, um eine angeblich hervorragende Pasta zu essen. Das vegetarische Menü war zwar eher fränkisch (nicht existent), aber die Köche machten mir gerne eine, Achtung, Extrawurst. Und ich muss gestehen: Die Nudeln sind wirklich atemberaubend.

gude pasda

Schließlich fuhren wir wieder hinab – in einem Stil, dass mir die Pasta fast wieder halbverdaut entglitt (Hohe Geschwindigkeit auf kurzer Geraden, dann Motorbremse kurz vor der Kurve).

Zapfen

Bei Valmontone gibt es einen Freizeitpark, den wir noch besuchen wollten.

Bark

Allerdings überredeten uns die Menschenmassen und die Eintrittspreise dazu, doch lieber in die Outletstadt gegenüber zu gehen. Dort verscherbelten große Marken wie Adidas und Nike ihre aktuellen Restbestände für wenig Geld. Manchmal auch für viel. Aber mit ein bisschen Suchen wurde man fündig. Die Stadt war sehr unheimlich. Überall wie gegossene bunte Fassaden. California Girls und Werbung drang einem von Lautsprechern in die Ohren. Und dazu noch dieses schwüle Klima. Wer hier den ganzen Tag arbeiten muss, wird irgendwann wahnsinnig. Oder einfach so träge und langsam wie die Adidasverkäuferin.

Audledd

Ich rieche dich…

Brave new world

Um den Tag abzurunden, schlug unser Gastgeber vor, uns noch eine originale alte Römerstraße zu zeigen, die fast niemand kennt. Diesen Outsiderstatus hat sie wohl daher, dass sie einfach nicht zu finden ist. Wir fuhren am Fuße der Albanerberge durch diffuse Ministraßen, die links und rechts von meterhohem Gras gesäumt waren. Überall waren ausrangierte Billigvillen, die alle zum Verkauf standen. Nach einer halben Stunde Suche – auf dem Navi bewegten wir uns auf einer weißen Fläche – gaben wir auf und beschlossen, den Tag dann doch lieber mit einem Besuch in Castel Gandolfo zu beenden.

berch

Ich dachte immer Castel Gandolfo sei eine Hochsicherheitsvilla des Papstes überhalb irgendeines Sees. Ist es aber nicht. Es ist ein Dorf.

gandolfo

Der Papst wohnt auch nicht abgeschottet, er wohnt eigentlich mitten in der Stadt am Kopfe der großen Piazza. (Das auf dem Foto ist ne Kirche, nicht das Papsthaus. Das Papsthaus ist auf dem Foto nicht zu sehen. :P)

Piazza

Schließlich warfen wir noch einen Blick auf den See.

alde

Und fuhren dann nach Hause…

FORZA BAYERN!!