Toledo, Niederaudorf, Rom

Seit knapp einem Jahr verfolgen wir Vincents Berichte aus Rom, der unserer Ankunft sicherlich mit gemischten Gefühlen entgegen schaut, weil nach unserem Aufenthalt auch für ihn die Zeit in der Ewigen Stadt zu Ende geht.

Wir freuen uns natürlich, wenn er wieder in der Heimat ist, aber zunächst auf die kommenden acht Tage mit sicherlich vielen schönen Erlebnissen.

In diesem Sinn verabschieden wir uns in eine von Fußballereignissen umrahmte Woche, die wir am ersten Juni-Sonntag mit der Reuererprozession abschließen.

Minis auf Reisen

Während heute allein aus dem Bistum Würzburg rund 2.000 Ministranten ihre Koffer auspacken durften, nachdem sie von der Internationalen Wallfahrt der Ministrantinnen und Ministranten in ihre Heimatpfarreien zurückgekehrt sind, befinden wir uns noch in der Vorfreude. Am kommenden Dienstag geht es für uns auch in den Süden, jedoch nicht nach Rom, da waren wir schließlich erst vor drei Jahren, sondern nach Toledo, von wo wir auf den Spuren der Ordensheiligen Teresa de Jesús und Juan de la Cruz u.a. Ávila besuchen werden. Eine Woche lang werden wir uns einerseits weiterbilden, andererseits aber auch Spaß haben und das spanische Flair genießen. Leider muss einer von uns krankheitsbedingt daheim bleiben, ihm wünschen wir an dieser Stelle gute Besserung. Dem Rest – also uns – wünsche ich eine gute Reise, eine gesunde Rückkehr und Gottes Reisesegen.

Pilgerreise in die Ewige Stadt – Minisfreizeit 2007

Die Planungen hatten schon ein Jahr zuvor begonnen, die Idee war noch älter. Zunächst mussten die Eltern davon überzeugt werden, dass dieses Projekt keine Luftblase ist, die angesichts der entstehenden Kosten zu platzen droht, und dass Rom für die kleine Jugendgruppe im Alter zwischen 12 und 16 Jahren durchaus schon geeignet ist, auch wenn vielleicht einige Klischees dagegen sprachen.
San PietroDas finanzielle Problem wurde von uns durch gewinnbringende Aktionen selbst gelöst, aber auch Kloster und Provinzial gaben ihren Zuschuss zu dieser Reise. Für den Rest musste ein Teil der Ersparnisse herhalten.
Gestärkt durch den Reisesegen, den wir am Vorabend von P. Raoul erhalten hatten, flogen wir am Dreifaltigkeitssonntag 2007 nach Rom.
Vor Ort waren alle sonstigen Bedenken wie weggeblasen, denn alles andere als gefährlich erwies sich die Ewige Stadt am Tiber. Sofort erkannten wir, dass die Italiener wesentlich unkomplizierter sind als die Deutschen, denn hier kann man fahren wie man will und auch rote Ampeln scheint es nicht zu geben. Wenn man die Straße überqueren möchte, dann macht man das einfach. Die römischen Autofahrer warten fast schon darauf, denn sie bremsen entsprechend ab, ohne rücksichtslos auf dich zuzusteuern.
Warum reden immer alle von Taschendieben? Auch die scheinen in dieser Woche im Urlaub gewesen zu sein, denn von Langfingern war weit und breit keine Spur. Vielleicht strahlten wir auch eine seltene Souveränität aus, denn wie in der Heimat bewegten wir uns in Bus oder Metro und es sah beinahe so aus, als wohnten wir seit Monaten in Rom.

Wenn man sich innerhalb des Eurolandes bewegt und kein Geld wechseln muss, dann sollte es auch sprachlich irgendwie funktionieren. So war es dann auch. Der stark begrenzte italienische Wortschatz, welcher kurz zuvor oder erst während des Aufenthalts angeeignet wurde,  reichte immerhin, um sich die Straßenhändler vom Leib zu halten, sich durch Menschenmassen zu kämpfen oder um sich einfach nur für eine Gefälligkeit zu bedanken. In anderen Situationen half – wie auch anderswo – die englische Sprache aus. Auf die Schweizer Garde trafen wir leider nicht, denn mit dem päpstlichen Wachpersonal hätten wir sogar Deutsch sprechen können.

Das Programm für die Zeit von Sonntag bis Freitag war randvoll. Umso vorteilhafter erwies sich die Lage des Quartiers, ein Kloster zwischen der Piazza Navona und dem Campo de’ Fiori, von dem so ziemlich alle bekannten Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß erreichbar sind. Die Ausstattung war einfach, ebenso war das Haus ab 23 Uhr geschlossen, aber dafür wohnten wir in einem Pilgerhaus und sehr günstig.

Am Montag besichtigten wir die Peterskirche mit Kuppel und begaben uns nach einer Mittagspause in den Kolonnaden in Richtung Vatikanische Museen. Die Schlange war so lang, dass wir uns für ein Überholmanöver entschieden, um doch noch die Sixtinische Kapelle zu Gesicht zu bekommen. Abends ließen wir den Tag beim Sonnenuntergang im Circus Maximus ausklingen.Circus Maximus

„Da wir schon einen anstrengenden Tag im Vatikan hinter uns hatten (Schlange stehen, Treppen laufen, Hitze, Menschenmassen), wollten wir den Tag auf entspannendere Weise beenden. Abends stiegen wir in die Metro ein und fuhren bis zum Circus Maximus. In diesem antiken ‚Stadion’ machten wir am Fuße des Palatins Picknick. Außerdem schlossen wir uns darauf noch den vielen Joggern an und liefen eine Runde auf der antiken Strecke.“

Den Dienstag Vormittag verbrachten wir im antiken Rom, durchquerten vom Kapitol aus das Forum Romanum und erreichten nach der Besichtigung des Palatins das Wahrzeichen der Stadt – das Kolosseum.
Nachmittags fuhren wir mit dem Bus zur Villa Torlonia im Nordosten Roms, wo von 1925 bis 1943 Benito Mussolini residiert hat. Unscheinbar am Rand der Anlage steht das Villino Medioevale, in dem sich ein Multimedia-Zentrum für junge Leute, die sog. „Technotown“, befindet. In sieben Räumen können sich die Besucher mit technische Innovationen vertraut machen, wie z.B. dreidimensionale Spiele auf Mond und Mars, Roboter oder BlueBox-Technik. Anders als in den meisten anderen „Museen“ dürfen die Jugendlichen aus der Beobachterrolle schlüpfen und selbst aktiv werden.

„Nachdem wir schon viele antike Stätten besucht hatten, stand etwas sehr Modernes auf demLa Technotown Programm: „La Technotown“. Technotown ist eine Erlebnisausstellung mit viel Technik, z.B. der Bildhauerroboter. Dieser funktioniert folgendermaßen: Von einer beliebigen Person wird ein Foto gemacht, dieses wird bearbeitet und in den Roboter eingespeichert. Anschließend prägt der Roboter das Gesicht der Person millimetergenau in einen Styroporblock ein.“

Obwohl die Technotown vorwiegend auf italienisches Publikum eingestellt ist, bewies das Personal sein italienisches Improvisationsvermögen und bemühte sich, alles nicht durch Visualisierung darzustellende Material auf Englisch zu vermitteln. Im Anschluss an die zweistündigen Führung folgte ein Abendessen auf Mussolinis Fußabstreifer und später eine Portion Eis.

PapstaudienzNach einer kurzen Nacht standen wir kurz nach halb acht auf dem Petersplatz und warteten auf den Einlass. Schließlich hatten wir besondere Karten für den Sitzblock auf den Stufen direkt neben dem Papst und wollten uns daher besonders gute Plätze sichern. Über zwei Stunden mussten wir dennoch unter der immer heißer werdenden Sonne aushalten, bis der Heilige Vater schließlich durch die Reihen zu seinem Platz fuhr.
Erschöpft vom Vormittag fuhren wir nach dem Mittagessen zum Strand von Lido di Ostia.

„Der Sand war sehr fein dort und auf dem Meer stiegen hohe Wellen empor. Wir waren uns einig, dass dieser Strand besser als jedes Schwimmbad war.“

Am Donnerstag Vormittag besichtigten wir die Priscilla-Katakomben, in denen u.a. die älteste bekannte Darstellung Marias als Mutter Jesu zu sehen ist.
Ein weiterer Höhepunkt war die Einladung des Generaloberen P. Luis Aróstegui (auf dem Foto vorne in der Mitte) zum Mittagessen in die Gruppenfoto mit GeneralGeneralkurie der Unbeschuhten Karmeliten. Obwohl der Besuch von Jugendlichen in dieser Anzahl eher selten ist, waren die Patres des internationalen Konvents äußerst gastfreundlich und kontaktfreudig. P. Ulrich Dobhan (auf dem Foto hinten links), inzwischen Provinzial in Deutschland, vermittelte schließlich einen kleinen Einblick in die Organisation und das Leben in der „Regierung“ des Ordens. Mit vielen positiven Eindrücken zogen wir zur Spanischen Treppe, dem  Fontana di Trevi sowie über das Pantheon zurück zum Quartier.
Die beeindruckende Papstmesse mit der anschließenden Fronleichnamsprozession an der Lateranbasilika gab der Romfahrt den würdigen Abschluss. Zunächst machten wir es uns mit allen anderen Pilgern auf der großen Wiese vor der imposanten Fassade bequem und Prozessionverfolgten die Eucharistiefeier, auch wenn die Sicht trotz Nähe zum Heiligen Vater recht eingeschränkt war. Im Anschluss an die Kommunion zogen wir zur Via Merulana und sicherten uns eine gute Position an der Absperrung. Nachdem der Wagen mit dem knienden Papst Benedikt an uns vorbeigefahren war, schlossen wir uns der Prozession an und folgten dem Strom bis zur Basilika Santa Maria Maggiore.

„Ich glaube, ich habe noch nie so viele christliche Pilger gesehen.“

Am Freitag flogen wir mit allen gesammelten Eindrücken wieder zurück in die Heimat, wo wir seitdem wieder Deutsch sprechen und rote Ampeln beachten müssen. Den Beweis, dass auch eine kleine Jugendgruppe eine große Stadt unbeschadet erkunden kann, haben wir mit Bravour erbracht.

Eine Mischung aus Vergnügen und Bildung – Minisfreizeit 2008

Wie üblich fuhren wir in der zweiten Pfingstferienwoche auf Minisfreizeit – diesmal in die bayerische Landeshauptstadt München. Das Programm sollte – trotz Städtereise – weniger kulturlastig sein wie die Rom-Reise im vergangenen Jahr, aber dennoch die Interessen aller Teilnehmer berücksichtigen sowie den eigentlichen Charakter einer Ministrantenfahrt bewahren. Betreut wurden wir vor Ort von P. Günter, der noch bis August in der Münchener Stadtpfarrei St. Theresia als Kaplan tätig war und im Anschluss sein Amt als Prior des Würzburger Klosters antrat.

Schon am zweiten Tag stand ein Termin im Bayerischen Landtag an. Nach dem Einblick in die OrdensleitungBesuch im Landtag des Teresianischen Karmels in Rom vor einem Jahr, hatten wir diesmal die Möglichkeit, die Räumlichkeiten und Funktionen des Parlaments unseres Freistaats kennen zu lernen. Geführt wurden wir von Herrn Michael Schmitt, der schon in Würzburg studierte und einige Jahre am Deutschhaus-Gymnasium unterrichtete. Nachdem wir uns in den bequemen Sitzen des Plenarsaals niedergelassen hatten, erklärte Herr Schmitt, u.a. wo der Ministerpräsident und seine Staatsminister sitzen, warum nicht immer alle Abgeordneten anwesend zu sein scheinen und was sie stattdessen tun, wie genau eine Sitzung protokolliert wird und dass der Landtagspräsident dem Redner auch mal „den Saft abdrehen“ kann, wenn er seine Zeit überschreitet.

Am Fronleichnamstag besuchten wir das Karmelitenkloster. Im Gegensatz zum Reuererkloster betreuen die Münchener Patres eine große Stadtpfarrei, wodurch das Ordensleben etwas in den Hintergrund rückt, aber dennoch nicht zu kurz kommt, denn schließlich wohnt dort der Provinzial. Nachwuchssorgen hat die Ministrantengruppe aufgrund der großen Gemeinde jedoch nicht. Nach dem Rundgang nahmen wir am Gottesdienst teil und sahen unseren Kollegen bei der „Arbeit“ zu.
Mittags ging es nach Dachau zur KZ-Gedenkstätte. Das Konzentrationslager war das erste seiner Art, das nur wenige Wochen nach der Machtergreifung Hitlers errichtet wurde, und diente als Modell für alle anderen Lager. Die Atmosphäre, die dieser Ort ausstrahlt und durch das schlechte Wetter zusätzlich verstärkt wurde, Karmel Heilig Blut Dachauentging auch uns nicht. Oft schweigsam gingen wir die einzelnen Stationen auf dem Gelände ab. Im Anschluss an den Dokumentarfilm trafen wir uns mit P. Günter bei den Schwestern des Karmel Heilig Blut, deren Kloster direkt an das ehemalige KZ-Gelände grenzt. Schwester Johanna setzte sich mit uns zusammen und half, die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Warum lässt man sich an dieser Stelle nieder, ist nur eine vieler Fragen, die zu beantworten waren. Das Kloster wurde 1964 mit der Intention gegründet, diesen Ort einstigen Grauens zu einer Stätte des Opferns und des Gebets zu machen und gerade hier ein lebendiges Zeichen aufzurichten. Sogar die Konzeption ist ganz auf das ehemalige Konzentrationslager bezogen: Die Grundgestaltung ist die des Kreuzes, seine Achse ist die der Lagerstraße und die Zellen gleichen den Baracken. So wie wir nehmen viele Besucher das Angebot der Schwestern wahr, auch wenn sie vielleicht anfangs nur unter einem nichtigen Vorwand an der Pforte läuten; die Zahl ist dennoch steigend.

Wo bleibt nun das Vergnügen?
An Spaß mangelte es in der Woche sicherlich nicht. Abgerundet wurde das Programm u.a. mit  der Besichtigung der Allianz-Arena, einem Tag in den Erdinger Thermen und den Spieleabenden im St.Theresia-Stüberl im Pfarrheim.

Letztlich war für jeden etwas dabei und wir kamen mit gestärktem Gruppengefühl wieder zuhause an.