די נייַ פּויפּסט

Ist nicht so, dass lange nichts mehr passiert ist, nur irgendwie war das alles nicht erwähnenswert. Doch jetzt! Haha. Wir Glückspilze. Lukas und ich machten uns heute morgen auf in Richtung Petersplatz, um dort zu sein, falls die Kardinäle ihre Wahlzettel verschüren. Unterwegs fiel mir auf, dass ich meine Kamera vergessen hatte, was uns dazu veranlasste einfach wieder nach Hause zu gehen, weil eh ein scheiß Regenwetter herrschte. Beim Mittagessen sprach ich dann mit einem jungen Amerikaner, der mir den 1a-Inside-Tipp gab heute nachmittag zum Saint Peter’s Square zu gehen, weil dort der neue Dings, Papst auf den Balkon treten wird. Ich weiß zwar nicht, woher aus einer versiegelten Basilika ohne Kommunikationsmöglichkeit nach außen immer diese Tipps kommen sollen, beschloss aber trotzdem, zumindest einmal den schwarzen Rauch zu sehen, ihn von seinen besten Seiten abzulichten und wieder zu gehen. Ich schloss mich also mit Lukas zusammen einem Katalanen und einem Brasilianer an und wir fuhren richtung Vatikan. Nach mehreren Stunden im Pisswetter drifteten meine Gedanken immer öfter zu meinem warmen Zimmer, während meine Schuhe immer weicher und weicher wurden.

Platz

Bald machte ich Bekanntschaft mit einem greisen Italiener, den ich für einen  Römer Uralt hielt, weshalb ich mir ernsthafte Sorgen machte, dass ich größte Probleme hatte ihn zu verstehen. Es stellte sich dann glücklicherweise heraus, dass er Kalabrese war und seinen krassen Heimatdialekt mit Leidenschaft ausübte. Konnte mich dann aber nach einer Eingewöhnungszeit gut mit ihm unterhalten, bis er auf einmal anfing, merkwürdige Dinge zu sagen, die ich für ziemlich uncool hielt, und das Gespräch dann irgendwann wieder abebbte.

Fensta

Nach rund einer Stunde nistete sich plötzlich eine Möwe auf dem Schornst…blech der Kapelle ein und wurde von den Anwesenden gefeiert wie ein neuer Papst.

vogel

Die vielen Experten, die in offiziellen Situationen immer wie Pilze aus dem Boden sprießen, sahen darin selbstverständlich den Hinweis, dass ein Vogel da nur landet, weil der Kamin schon warm ist. Klar.

vogl

Nachdem dann nach zwei Stunden der dritte Vogel auf dem Kamin saß, warteten auch die Experten wieder schweigend ab, während wir immer nasser und nässer wurden.

nass

Auf dem Petersplatz versammelten sich allerhand Nationen. Die meisten um uns herum waren US-Amis und natürlich Italiener, aber ich sah auch sehr viele Brasilianer, Argentinier, Spanier, einige Philippinos, einige Leute mit einer Blauweißschwarzweißblauen Fahne, die ich spontan einer kleinen Pazifikinsel zuordnete, ein Kanadier und zwei (schätzungsweise) Koreaner im Partisaneneinsatz.

Koreaner

Kanadier

Als ich langsam in eine „Ist doch alles egal“-Phase fiel und die Dunkelheit schon längst hereingebrochen war, kam auf einmal weißer Rauch.

Weißer Rauch

Wie die Menschen ausgerastet sind, ist schwer in Worte zu fassen, hab ich aber auf Video. Bzw. eigentlich ist es nicht schwer: Es war fast so, wie wenn Deutschland bei der WM ein Tor schießt. Ich konnte mein Glück kaum fassen, da wir Idioten nicht mal zwei Namen der möglichen Kardinäle wussten und vom Konklave bis dato weniger mitbekommen hatten als 70% der Deutschen. Und dann bemühen wir uns einmal zur Basilica und prompt nach vier Stunden warten entspringt ein neuer Papst der Peterskirche.

Flagge

Danach gab es einen Aufmarsch von Schweizer Garde, Gendarmerie und Carabinieri, die die Nationalhymne spielten. Und schließlich trat „Der Neue“ aus dem Vorhang und winkte nervös. Sein Auftritt war aber eigentlich ganz sympathisch für einen Papst.

Babba

Angeblich soll er relativ weltoffen sein. Auch der Name Francesco sei ja schon ein Zeichen an sich. Ich hoffe das Beste, weil er großen Einfluss auf eine Menge Menschen hat. Dass er ihnen keine Flausen in den Kopf setzt. Der Fokus schreibt, es werde ein unbequemer Papst. Nur frage ich mich: Für wen? Für die Kardinäle? Waren die nicht bei Trost? Ich hab allerdings auch schon weniger erfreuliche Dinge über ihn gehört. Gut, lassen wir (Inklusion!) ihn mal Papst sein.

Gin

Schließlich fragte noch ein Reporter von ABC Australia eine Gruppe Priester, ob jemand englisch spreche. Ich meldete mich kurzerhand, auch wenn er einen Normalsterblichen wohl für keinen Fang hielt und gab meinen Senf an die Menschen da unten ab. G’Day! „How do you think about a pope from another Continent?“ „Why not!“ Qualitätsfernsehen schlechthin.

Schließlich hab ich noch den Auftrag vom Admin erhalten, etwas über den neuen Papst zu erzählen. Er heißt Jorge Mario Bergoglio, kommt, glaub ich, aus Buenos Aires und ist damit wohl Argentinier. Er ist der erste Nichteuropäer auf dem durch zahlreiche verübte Wunder wohl heiliggesprochenen Stuhl seit Gregor III. aus Syrien (8. Jh.). Er bevorzugt in seiner Freizeit Filme von Fellini und liest gerne Hölderlin. Und wer noch mehr wissen will, der gucke hier. Habeunt Papam!

P.S.: Der Tiber hat Hochstand.

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