Der König ist tot. Lang lebe der König!

Die Mutter aller Derbies. Als wir vor einigen Monaten in Rom ankamen, fanden wir die Idee cool, ein Konklave mitzuerleben. Wir wünschten uns natürlich nicht, dass der alte Benedikt im Laufe unseres Aufenthaltes wegstirbt, und so waren wir froh, dass er einfach vorzeitig die Segel strich und Platz machte. Jetzt bahnt sich ein anderes Ereignis an, dessen Zeuge wir sein dürfen und das so bald nicht wieder vorkommen wird. Nachdem sich der AS Rom im Halbfinale gegen Inter Mailand hat durchsetzen können, lautet das Finale: SS Lazio – AS Rom. Die Mutter aller Derbies. Die Polizei macht sich indes schon gewaltige Sorgen, wie sie nur die Fans davon abhalten soll, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Ich wage den Schuss ins Blaue und tippe, dass sie dabei nicht allzu erfolgreich sein wird und wir am 26. Mai ein Feuerwerk aus Böllern, Scherben, Messern, Leuchtraketen und menschlichen Überresten erleben werden! Die MdKkW haben das Glück live dabei zu sein.

Blau und Oranje

Tanti auguri, ROMA! Am Sonntag feierte man in Rom Natale di Roma. (753+2013=) 2766 Jahre alt wurde unser Geburtstagskind und man sieht ihr Alter kaum an. Die Zustände der Gebäude und Straßen dürften siebenfünfdrei nämlich sehr ähnlich gewesen sein. Es gab freien Eintritt in viele Museen und viele Konzerte von gar nicht so unbekannten italienischen Popstars, von denen ich trotzdem keinen kannte, obwohl ich mich doch ein bisschen auskenne inzwischen. Ich verbrachte den Tag allerdings am Pool. Die Angebotspalette im Internet überzeugte mich nicht so sehr. Abends erfuhr ich dann, dass am Circo Massimo eine antike Legion aufgelaufen ist. Soll sehr beeindruckend gewesen sein. Managgia!

Muellered

MUELLERED! Eigentlich wollte ich das Halbfinalhinspiel zwischen Bayern und Barcelona gemütlich zu Hause anschauen und dabei ein paar Chips snacken. Scheiterte dann daran, dass pünktlich um 19:00 der Supermarkt bereits zu war und um 20:00 auch beim Internet aus irgendwelchen irreparablen Gründen Sperrstunde war. Deshalb gingen Lukas und ich (Bayerntrikot, Jogginghose, Fanschal, jawoll!) in die einzige Bar, von der wir mit Sicherheit wussten, dass sie das Spiel zeigen werden. Das Pub Scholar’s Lounge in der Nähe der Piazza Venezia vefügt über sage und schreibe 32 Bildschirme und 5 Leinwände, auf denen 24/7 Sport übertragen wird. Ich dachte also, wenn die schon die Qualifikationsstufe der u21-Regionalmeisterschaften im Gaelic Football zeigen, dann wohl auch diesen Quotengaranten. Es war dann schließlich so, dass alle 37 Möglichkeiten genutzt wurden, um dem prall gefüllten Pub ein 360°-Fußballpanorama zu gewähren. Und was für ein Spiel das war. Unglaublich! Die Lokalität war voll von allerhand Nationen, die meisten allerdings Italiener, Spanier und ein paar Deutsche. Die Italiener standen ausnahmslos aufseiten der Bayern. Die Spanier verließen das Pub zu einem gewissen Anteil bereits vor Abpfiff. Übrigens auch Glückwunsch an Dortmund, auch wenn ich mir kein deutsches Finale wünsche…

Krank

Maledetta Primavera. Inzwischen hält der Sommer aber sowas von Einzug hier. Die Pollen fliegen, die Bäume sprießen, der Pool ist gereinigt und die Sonne knallt. Der in den letzten Wochen perfekte Mix aus Sonne und Regen regte allerdings auch das Unkraut zu exorbitantem Wachstum an und beschert uns jetzt viel Arbeit im Garten. Lukas, der seine Liebe für Pollen gerade wiederentdeckt, kommt von der Gartenarbeit jetzt immer mit roten Augen, triefender Nase und mit heftigen Niesanfällen zurück. In der vatikanischen Apotheke hat er sich ein paar Allergietabletten gekauft. Der junge Schotte names Bartholomew, der hier mit seinem abgeschlossenen Medizinstudium gesundheitlicher Berater ist, war sehr belustigt darüber und informierte uns, dass man, um einem Heuschnupfen wirksam entgegenzusteuern, die Allergiemittel einen Monat vor den ersten Pollenflügen einnehmen sollte. Interessant, wusste ich auch noch nicht. Hier noch ein paar exklusive Frühlingsimpressionen aus Sant’Anselmo:

Schueh

Chiostro

にぽん. Genau drei Monate nach meiner Abreise aus Italien werde ich meine Reise nach Japan antreten. Da die Japaner allerdings oft kein Englisch sprechen können oder wollen, muss ich mir etwas Japanisch aneignen. Wobei „müssen“ so klingt, als wollte ich nicht. Ich hörte, dass der gleiche junge Medizinschotte, namens Bartholomew, der hier studiert, ein Jahr in Japan verbracht hat, als er 15 war. Er spricht die Sprache perfekt. Bzw. er spricht sie so, wie man als Europäer die Sprache sprechen kann. Später studierte er sie auch für ein paar Semester. Er informierte mich sofort, dass man Japanisch niemals perfekt sprechen könne. Sein Japanisch-Professor an der Uni selbst war einmal mit einem Satz aus der Lektüre überfordert. Das müsse man sich von vornherein klarmachen, sonst berge die Sprache hohes Frustrationspotential. Allerdings sagte er auch, es sei nicht so schwierig, wie es immer heißt. Heute war nun die erste Stunde und es fällt auf: Diese Fremdsprache ist eine Fremdsprache in der Urbedeutung dieses Wortes. Ich fange nun erstmal an, das vereinfachte Alphabet schreiben und sprechen zu lernen und mir die einfachsten Begrüßungsformeln einzuprägen. Der Schotte macht das als Lehrer aber wirklich großartig und hat mir gleichzeitig noch eine Mail voller YouTube-Links zu den Themen Manga, Anime, J-Pop und traditionelles japanisches Theater geschickt. Er meinte, wenn man nicht in dieses Land verliebt ist, hält man das Lernen nicht durch.

Katakana

Quelle des Fußballfotos: http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/sport/fussball/sn/artikel/bayern-nach-40-gegen-barcelona-vor-cl-finaleinzug-56241/

Ch’hai fatto ’nnamora.

Ich muss mich mal wirklich mehr am Riemen reißen was die Regelmäßigkeit des Schreibens angeht. Oke, wo waren wir stehengeblieben? Nach unserem überflüssigen Ausflug nach Urbino bemerkte ich eines Abends nach einem regnerischen Tag Schmerzen und ein Engegefühl im Thoraxbereich und hatte Schwierigkeiten beim Atmen. Als am nächsten Morgen die Symptome nicht verschwanden, sondern nun in den linken Arm bis in die Hand ausstrahlten, beschloss ich, dass das wohl eine Folge eines eklatanten Bewegungsmangels sein müsse. Als Gegenmittel begann ich ein bisschen auf dem Sportplatz Fußball zu spielen. Nach wenigen Minuten nahmen die Schmerzen allerdings stark zu und mein Herz schlug ziemlich stark. Milde gesagt beunruhigt (=panisch) ging ich zu Davide, unserem Chauffeur, und fragte ihn, ob er mich wohl zu einem Krankenhaus begleiten könnte. Nicht ohne, um meine Panik auf den Zenit zu treiben, eine kurze Internetrecherche zu „Schmerzen Brust Arm Enge“ vorzunehmen. Wir fuhren also sofort zur Tiberinsel. Die ist von außen zwar schön anzuschauen, aber in ihren Innereien sieht es schlimmer aus als in denen so mancher Patienten in ihr. Durch den ziemlich chaotischen Dschungel fand ich schließlich zur Notaufnahme. Dort war eine Schwester in der Pforte dafür verantwortlich alle Fälle, die weniger ernst schienen, direkt abzuweisen. Sie nahm mir den Puls ab, bezweifelte aber, dass ich in meinem Alter Herzprobleme habe. Außerdem bezweifelte sie ganz offensichtlich meine ehrliche Antwort auf die Frage, ob ich Drogen genommen hätte. Ich nahm im Wartezimmer zwischen Omas mit gebrochenen Nasen und Kindern mit allergischen Reaktionen Platz und begann meinen insgesamt neunstündigen Krankenhausaufenthalt. Der erste Arzt nahm ein EKG an mir vor und bezweifelte meine ehrliche Antwort auf die Frage, ob ich Drogen genommen hätte. Das EKG war allerdings vollkommen normal. Beziehungsweise betonte der Herr Doktor, das EKG sei außerordentlich normal. Außerdem montierte man mir einer dieser Aderöffnungs-Spritzenansatzdinger an den Arm, was äußerst unangenehm war und ein Strecken des Armes unmöglich machte. Nach längerem Warten wurde ich ins Röntgenzimmer genommen. Davides Mutter, die schon viel in italienischen Krankenhäusern zu tun hatte, riet mir, unbedingt einen Röntgen-Lendenschurz anzufordern. Sonst wird das mit dem Kinderkriegen nichts mehr. Die aufmerksame Ärztin dachte zum Glück daran, aber mein Vertrauen in die italienische Radiologie war nachhaltig erschüttert. Nach einer weiteren langen Pause teilte man mir mit, dass auch die Röntgenbilder unauffällig waren. Nach einem weiteren langen Aufenthalt im Wartezimmer, kam ich zu einem weiteren Arzt. Der bezweifelte zwar auch, dass ich keine Drogen genommen hatte (so langsam fragte ich mich, ob es an meiner äußeren Erscheinung oder nur an Vorurteilen gegenüber der Jugend lag), konnte im Bluttest, den er vornahm, aber nichts Auffälliges finden. Tja, Pech gehabt! Noch ein weiteres EKG wurde vorgenommen und schließlich versprach man mir, dass es nichts ernstes sein könne. Wenn ich wolle, könnten sie mich aber weiter untersuchen. „Wir finden immer was…“ Ich lehnte freundlich ab und man fragte mich, ob ich „Oki“ mal probiert hätte. Oki ist ein schwaches Schmerzmittel und wird in Italien gegen fast alles genommen. Der Arzt schrieb mir, nachdem ich verneint hatte, das Medikament als Ratschlag auf. Neun Stunden Krankenhaus, um den Tipp zu bekommen, ein paar Schmerzmittel zu nehmen. Wäre es draußen nicht schon dunkel gewesen und hätte ich irgendwas zu essen bekommen an diesem Tag, wäre das sicherlich lustig gewesen. Weiß nicht, ob das alles rückblickend betrachtet nur ein hypochondrischer Anfall war oder ob vielleicht ein Giftanschlag gegen meine Person vorlag. Jedenfalls hab ich mich mal rundum checken lassen und musste dafür keinen Centesimo bezahlen. Sozialstaat klever ausgenutzt.

Um Ostern rum besuchten wir noch einmal die Pilgergruppe (weiß der Geier warum), die inzwischen in Rom angekommen war. Statt die Pilger zu treffen, traf ich allerdings eine sehr sympathische Truppe italienischer Jungprolls und hatte eine Menge Spaß; zumindest für eine Stunde. Für den Truppenbesuch musste ich allerdings das erste Mal seit Wochen darauf verzichten, Bundesliga live zu schauen. Ich erkundigte mich in der Bar nach dem Zwischenstand bei Bayern-Hamburg und guckte ziemlich verdutzt drein, als mir der Besitzer sagte, wieviel es stand. Leider hab ich es verpasst noch rechtzeitig vor dem besinnlichen Ostermeditationsteil zu flüchten und musste dann noch eine „Pack all deine Sorgen in einen Rucksack“-Rede in einem kontemplativen Kerzenstuhlkreis anhören. Nichts desto trotz (oder ist das ein Wort?) war der Abend lohnenswert, auch weil ich mit jemandem über dessen Japanreise reden konnte, die ich ja auch am 4. September antreten werde.

Am Ostermontag sollte des Abends mein Bruder an Termini ankommen. Da ich nicht mehr wusste, wann er genau einfährt, schaute ich im Internet die Verbindung Würzburg-Rom nach, indem ich mich an seiner Abfahrtsuhrzeit orientierte, die ich noch wusste. Um 18:50 sollte er demzufolge ankommen. Um 18:20 brach ich zur Metrostation Circo Massimo auf, noch ahnend, dass ich es bereuen werde, nur einen 20€-Schein dabeizuhaben. Am Automaten wurde meine schlimmste Befürchtung wahr, dass der Automat nicht mal beim Kauf von den maximal möglichen sechs Tickets einen 20er annimmt. Ich stapfte hinaus und ging in die nächste Bar, um freundlich zu fragen, ob man mir nicht vielleicht den Schein in zwei 10er tauschen könne. Nein. Natürlich nicht. Aber die nächste Bar konnte ja nicht weit sein. Ich lief also die Viale Aventino entlang und während plötzlich ein immer stärker werdender Regen über mich hereinbrach, lief ich an einem heruntergelassenen Rolladen nach dem anderen vorbei. Bis ich schließlich nach 20 Minuten an der nächsten Metrohaltestelle war, die Kartenschalter hatte. Natürllich schon viel zu spät, beeilte ich mich zu Termini, dem schlimmsten Ort Roms. Als endlich der Zug aus Bologna eintraf, wartete ich und wartete…und wartete…und wartete noch ein bisschen, aber mein Bruder kam nicht. Fuck. Hatte er den Anschluss in Bologna verpasst? Oder hab ich was falschgemacht. Ich durchsuchte ganz Termini nach weiteren möglichen Zügen, wurde aber nicht fündig. Frustriert fuhr ich nach Hause und rief meine Mutter an. Die teilte mir mit, dass mein Bruder erst eine Stunde später ankomme und ich nochmal losgehen und ihn abholen solle. Argh! Aber die Woche mit ihm war sehr cool, auch wenn das Wetter nicht so schön war. Aber nach allem, was man so hört, soll’s bei ja nicht besser sein, ne?

Drei Tage nach der Abfahrt meines Bruders verabschiedete sich dann Davide, unser Chauffeur, der wohl aus Gründen fehlender Lust die Heimreise früher antrat. Emidio (der Haupthandwerker Sant’Anselmos), Lukas und ich begleiteten ihn dann im Fiat Panda zum Leonardo Da Vinci. Das erste Mal seit fast 6 Jahren war ich nun dort. Unsere Minisfreizeit war doch 2007, oder? In einem Panda bin ich allerdings noch nie gefahren. Ich glaube, mit diesem Auto sollte man besser nicht an einem Verkehrsunfall teilnehmen. Denn dann ist man Matsch. Der Abschied ging schnell, aber in Zeiten des Internets verliert man sich ja nicht unbedingt aus den Augen. Alles Gute, Zicca!

Derweil sind noch Onkel und Tante aus Hamburg da und ich zeige ihnen Rom. Das Wetter ist großartig. Ich führe die Verwandten durch die absolut typischen Orte, Kolosseum, Vatikan, Piazza di Spagna, Trevi-Brunnen, und weiß jetzt schon, dass mir Rom bald schmerzlich fehlen wird.

The Songs We Were Singing

Zuerst ein Witz: Treffen sich zwei Päpste.

Treffen sich zwei Päpste

Irgendwie sind wir auf die schlechte Idee gekommen, dass es doch keine schlechte Idee wäre, wenn eine Gruppe von Leuten aus Deutschland, von denen ein paar als Freunde von uns bezeichnet werden können, diese an ihrem Aufenthaltsort in Urbino für drei Tage zu besuchen. Dafür kauften wir uns Tickets der Fernbuslinie Adria, die uns von Stz. Tiburtina direkt an den Fuß der mittelalterlichen Bergstadt in der Region Marche (auf Deutsch glaub ich Marken) brachte. Die Gegend dort ist sehr hügelig und steinig und teilweise erinnert sie mich an die Anden – ohne je dort gewesen zu sein. Und so war auch die Fahrt sehr kurvig und auch abenteuerlich in Anbetracht der Winkel, in denen der Busfahrer die Serpentinen schnitt. IMPRESSIONEN!!

Hier beginnt unsere Fahrt

Bus

Die Temperatur ist am Steigen

12

Bei einer Rast sehe ich eine Uhr, die ich brauche

Nutuhr

Ein Steinbruch von vielen

500

Blick aus dem Busfenster

Busfenster

Der Fuji Yama

Stein

Ein Bächlein bei einem kleinen Dorf namens Cagli

Wassser

Ein weiteres Bächlein in einem weiteren Dorf

Wasser

Ein rastloser Rucksackreisender

Io

Ne Ape

Ape

Bei Ankunft fragten wir in einer Bar, wie das Wetter denn werden soll: Morgen Regen, übermorgen Schnee. Verflixte Scheiße. Bei noch gutem Wetter stellten wir uns an die Straße zum kleinen Dorf Cavallino, in das wir mussten, um zu trampen. Glücklicherweise wurden wir auch sofort mitgenommen und bis vor die Haustür gefahren. Dort waren schon ungefähr 6 Leute, die 2 Stunden vor uns angekommen waren. Es war der Bus (Achtung Insider B) ) der Kelly Family aus WaBü. Bereits bei den ersten Unterhaltungen darüber wie man ohne Hefe und stattdessen mit sehr viel Sauerteig und Heu (Ja, das ist das, was das Rindvieh isst) Brot machen kann, das erst richtig gut schmeckt, wenn es 2 Wochen alt und hart ist, fiel mir auf, dass ich vielleicht doch nicht ganz am richtigen Ort bin. Die Unterhaltungen gingen dann in eine merkwürdig spirituelle Richtung und waren dann bei Yoga angekommen, wovon wir eine kleine Kostprobe bekamen.

Spiderwalk

Ups, falsches Bild. Ich meinte das hier.

Spiderwaaalk

Schließlich kamen auch viele andere Menschen gleicher Art und ich versuchte immer mehr zu verdrängen, wieviel mich das ganze Theater kostet. Kerzen mit Friedenstauben schmücken, Schlager singen, die nach dreißig Jahren von billigem Wein zu billigem Essig gereift sind, selten dumme spirtuelle und fundamentale Ratschläge und Kritiken an meiner Lebensweise von Lebensberatern, die mich überhaupt nicht kennen, alte Frauen, die mir erzählen, dass T-Shirts aus Wolle viel besser sind als die uns alle ins Unglück stürzende Synthetik, und eine Horde Kinder, die die Woche ohne Aufsicht nutzten, um sich 25/8 zu betrinken. Ich war ja schon öfter dabei, aber diesmal kam mir das alles so schräg, schlimm, ja teilweise total traurig vor. Irgendwas suchen die alle, ich weiß nicht was. Deswegen erzähl ich jetzt einfach nichts mehr davon und mache mir vor, dass sich das Geld zumindest von daher gelohnt hat, dass ich die Marken gesehen haben.

Haus

Haus mit Weg

Gräber

Dornen

Vor der Rückfahrt trafen wir in der Bar beim Bussteig zwei verwirrte, deutsche, sehr reiche und alte Frauen, die ein Ferienhaus in der Gegend hatten. Weil das Wetter so scheiße war, entschlossen sie spontan nach Rom zu reisen (Hier ist’s auch nicht besser, haha). Die eine der beiden bemerkte beim Einsteigen in den Bus leider, dass sie ihr nicht ganz billiges Ticket nicht mehr hatte. Total aufgebracht stürmte sie zurück in die Bar und fand es immer noch nicht. Nachdem erstmal das Barpersonal für schuldig befunden worden ist, wurde die Frau von ihrer „Freundin“ als vollkommen unzuverlässig kritisiert („Ich merke schon, dir kann ich kein Ticket mehr anvertrauen!“). Auf der Fahrt hatten Lukas und ich sehr viel Spaß und unser schallendes Gelächter nervte wohl nicht zuletzt die beiden Deutschen, die sich gesellig zu ihren Landsleuten gesetzt hatten. Und so setzten wir der Reise doch noch ein gutes Ende. Ende.

Quelle:
http://lugopress.files.wordpress.com/2013/03/benedetto-e-francesco-bellissima.jpg?w=700&h=465

http://1.bp.blogspot.com/-aelzLrBwvKc/UJGhAw9dp7I/AAAAAAAAApg/K49k9gDEGdU/s1600/The-Exorcist-Spider-walk.jpg

די נייַ פּויפּסט

Ist nicht so, dass lange nichts mehr passiert ist, nur irgendwie war das alles nicht erwähnenswert. Doch jetzt! Haha. Wir Glückspilze. Lukas und ich machten uns heute morgen auf in Richtung Petersplatz, um dort zu sein, falls die Kardinäle ihre Wahlzettel verschüren. Unterwegs fiel mir auf, dass ich meine Kamera vergessen hatte, was uns dazu veranlasste einfach wieder nach Hause zu gehen, weil eh ein scheiß Regenwetter herrschte. Beim Mittagessen sprach ich dann mit einem jungen Amerikaner, der mir den 1a-Inside-Tipp gab heute nachmittag zum Saint Peter’s Square zu gehen, weil dort der neue Dings, Papst auf den Balkon treten wird. Ich weiß zwar nicht, woher aus einer versiegelten Basilika ohne Kommunikationsmöglichkeit nach außen immer diese Tipps kommen sollen, beschloss aber trotzdem, zumindest einmal den schwarzen Rauch zu sehen, ihn von seinen besten Seiten abzulichten und wieder zu gehen. Ich schloss mich also mit Lukas zusammen einem Katalanen und einem Brasilianer an und wir fuhren richtung Vatikan. Nach mehreren Stunden im Pisswetter drifteten meine Gedanken immer öfter zu meinem warmen Zimmer, während meine Schuhe immer weicher und weicher wurden.

Platz

Bald machte ich Bekanntschaft mit einem greisen Italiener, den ich für einen  Römer Uralt hielt, weshalb ich mir ernsthafte Sorgen machte, dass ich größte Probleme hatte ihn zu verstehen. Es stellte sich dann glücklicherweise heraus, dass er Kalabrese war und seinen krassen Heimatdialekt mit Leidenschaft ausübte. Konnte mich dann aber nach einer Eingewöhnungszeit gut mit ihm unterhalten, bis er auf einmal anfing, merkwürdige Dinge zu sagen, die ich für ziemlich uncool hielt, und das Gespräch dann irgendwann wieder abebbte.

Fensta

Nach rund einer Stunde nistete sich plötzlich eine Möwe auf dem Schornst…blech der Kapelle ein und wurde von den Anwesenden gefeiert wie ein neuer Papst.

vogel

Die vielen Experten, die in offiziellen Situationen immer wie Pilze aus dem Boden sprießen, sahen darin selbstverständlich den Hinweis, dass ein Vogel da nur landet, weil der Kamin schon warm ist. Klar.

vogl

Nachdem dann nach zwei Stunden der dritte Vogel auf dem Kamin saß, warteten auch die Experten wieder schweigend ab, während wir immer nasser und nässer wurden.

nass

Auf dem Petersplatz versammelten sich allerhand Nationen. Die meisten um uns herum waren US-Amis und natürlich Italiener, aber ich sah auch sehr viele Brasilianer, Argentinier, Spanier, einige Philippinos, einige Leute mit einer Blauweißschwarzweißblauen Fahne, die ich spontan einer kleinen Pazifikinsel zuordnete, ein Kanadier und zwei (schätzungsweise) Koreaner im Partisaneneinsatz.

Koreaner

Kanadier

Als ich langsam in eine „Ist doch alles egal“-Phase fiel und die Dunkelheit schon längst hereingebrochen war, kam auf einmal weißer Rauch.

Weißer Rauch

Wie die Menschen ausgerastet sind, ist schwer in Worte zu fassen, hab ich aber auf Video. Bzw. eigentlich ist es nicht schwer: Es war fast so, wie wenn Deutschland bei der WM ein Tor schießt. Ich konnte mein Glück kaum fassen, da wir Idioten nicht mal zwei Namen der möglichen Kardinäle wussten und vom Konklave bis dato weniger mitbekommen hatten als 70% der Deutschen. Und dann bemühen wir uns einmal zur Basilica und prompt nach vier Stunden warten entspringt ein neuer Papst der Peterskirche.

Flagge

Danach gab es einen Aufmarsch von Schweizer Garde, Gendarmerie und Carabinieri, die die Nationalhymne spielten. Und schließlich trat „Der Neue“ aus dem Vorhang und winkte nervös. Sein Auftritt war aber eigentlich ganz sympathisch für einen Papst.

Babba

Angeblich soll er relativ weltoffen sein. Auch der Name Francesco sei ja schon ein Zeichen an sich. Ich hoffe das Beste, weil er großen Einfluss auf eine Menge Menschen hat. Dass er ihnen keine Flausen in den Kopf setzt. Der Fokus schreibt, es werde ein unbequemer Papst. Nur frage ich mich: Für wen? Für die Kardinäle? Waren die nicht bei Trost? Ich hab allerdings auch schon weniger erfreuliche Dinge über ihn gehört. Gut, lassen wir (Inklusion!) ihn mal Papst sein.

Gin

Schließlich fragte noch ein Reporter von ABC Australia eine Gruppe Priester, ob jemand englisch spreche. Ich meldete mich kurzerhand, auch wenn er einen Normalsterblichen wohl für keinen Fang hielt und gab meinen Senf an die Menschen da unten ab. G’Day! „How do you think about a pope from another Continent?“ „Why not!“ Qualitätsfernsehen schlechthin.

Schließlich hab ich noch den Auftrag vom Admin erhalten, etwas über den neuen Papst zu erzählen. Er heißt Jorge Mario Bergoglio, kommt, glaub ich, aus Buenos Aires und ist damit wohl Argentinier. Er ist der erste Nichteuropäer auf dem durch zahlreiche verübte Wunder wohl heiliggesprochenen Stuhl seit Gregor III. aus Syrien (8. Jh.). Er bevorzugt in seiner Freizeit Filme von Fellini und liest gerne Hölderlin. Und wer noch mehr wissen will, der gucke hier. Habeunt Papam!

P.S.: Der Tiber hat Hochstand.

Gum-Gum-Power

Schöne Grüße aus der Anarchie. Viel passiert ist in den letzten zwei Wochen und jeden Tag, an dem ich keine Lust zu schreiben hatte, wurde es mehr. Rückblickend gibt es aber eigentlich nur wenige wichtige Dinge zu erzählen. Ich hatte mir ja schon vor einigen Wochen ein Ticket für einen Stadionbesuch mit der Partie Rom-Juve gekauft . Als ich mir das Ticket beim Tabaccaio kaufte, hatte ich zufällig mein Juvetrikot an. Der Verkäufer schaute mich mit einem Gesicht aus Mitleid und Abneigung an und meinte: „Das Trikot trägst du aber nicht beim Spiel.“ Ich in der Meinung, das sei der Scherz eines passionierten Romfans frage: „Perchè?“ Er schaute mich immer noch an und meinte: „Hör zu, ich meins ernst. Du ziehst das nicht an!“ Ich schaute zu seiner Frau, die den Tabak verkaufte. Die schaute mich mit dem gleichen Blick an und nickte. „Gut, dann trage ich es nicht.“, meinte ich, und er sagte trocken: „Bravo!“, was in dem Fall wohl so viel heißt wie: „Besser für dich!“ Ich hielt das für etwas übertrieben und machte mich auf den Heimweg. Stolz präsentierte ich das Ticket in der Küche. Emidio, ein Arbeiter hier, schaute mich an, schaute auf mein Trikot und sagte: „Das trägst du aber bitte nicht beim Spiel!“ Wenn Emidio und der Verkäufer nicht ein abgekartetes Spiel führten, sind diese beiden Aussagen wohl unabhängig voneinander entstanden und bewegten mich schließlich doch dazu, das Trikot des sympathischsten italienischen Clubs daheim zu lassen. An der Bushaltestelle schloss sich mir leider Gottes noch ein Libanese aus Sant‘ Anselmo an, mit dem ich einige schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Zum Glück war sein Sitzplatz in einem anderen Block. Er erwies sich dann sogar noch als recht nützlich, weil er im Gegensatz zu mir seine Kamera nicht vergessen hatte und schoss ein paar Fotos, die hier stünden, wenn er meiner Bitte nachgekommen wäre, sie mir zu schicken. Das Stadion war mit über 70.000 Besuchern fast ausverkauft, was sehr selten in Italien ist. Am Eingang des Stadions empfängt einen ein großer Obelisk auf dem der Schriftzug „DUX MUSSOLINI“ prangt. Das setzt sich dann in Mosaiken über den ganzen Weg zum Stadion hin fort. Scheint offenbar niemanden zu stören. Mit ein paar Ringo-Keksen nahm ich schließlich meinen Platz ein, der zu meiner Freude direkt neben dem Gästeblock der Juventini stand. Diese Freude verflog kurz vor Spielbeginn dann aber ziemlich schnell, als die Fans beider Seiten damit anfingen, sich aufs übelste zu beschimpfen und sich anzubrüllen, während ich etwas bedrückt zwischen den Fronten stand. Schließlich begannen sie sogar höllisch laute Kanonenschlagböller, bei denen man sich höllisch erschreckte, wenn sie losgingen in die Massen der gegnerischen Fans zu werfen. Eines dieser Dinger flog meinem Nebenmann in die Kapuze. Er entledigte sich bltzschnell seines Rucksacks und seiner Jacke, bevor der Böller beides zu Stücken zerreißt. Feigling, der ich bin, entfernte ich mich dann wenige hundert Meter von dieser Horde Gestörter, bis ich außerhalb der Wurfreichweite war. Das Spiel bot allerdings optisch auf zwei Ebenen sehr wenig. Einerseits verlor die alte Dame mit 0-1, andererseits sieht man laufbahnbedingt im Stadion nicht sehr gut. Je näher man am Spielfeld, desto zweidimensionaler wird es, und je höher man steigt, desto kleiner werden die Rasenmännchen. Wenigstens hab ich Pirlo, Buffon und Giovinco gesehen. Das sollte reichen. Mir reichte es übrigens schon in 89. Minute, in der ich aufgrund zweier Schlägereien, die unmittelbar neben mir zu eskalieren drohten, das Stadion frühzeitig verließ. Wenn man von meiner Angst um Leib und Leben absieht, war es aber tatsächlich ein grandioses Erlebnis. Und zum Glück war ich so schlau, mein Juve-Trikot nicht zu tragen, denn sonst hätten die mich ihrer Wölfin zum Fraß vorgeworfen.

Am Sonntagmorgen um 5:00 verließen meine Kollegen Lukas und Davide das Haus richtung Deutschland, weil sie dort eine TÜV-Plakette für das Auto des Primas (inter pares) besorgen mussten. Davide wollte nicht alleine fahren, aus Angst einzuschlafen und Lukas begleitete ihn deshalb, auch deswegen, weil sein Vater seinen Geburtstag feiert und er als Überraschungsgast vor der Tür stehen wollte. Gleichzeitig gewann eben dieser allerdings unglaubwürdigerweise im Radio einen Romaufenthalt von einigen Tagen, der nur noch telefonisch bestätigt werden musste. Lukas wollte allerdings die Überraschung nicht enthüllen, dass ja eigentlich er nach Deutschland kommen wollte und musste jetzt bis zuletzt bangen, dass nicht sein Vater plötzlich in Rom steht und er vor der Tür. Wäre es so gekommen, ich hätte mich diese Woche nicht mehr eingekriegt. Ich hätte zu gern das Gesicht gesehen, das langsam in sich zusammengefallen wäre, wie es nun der italienische Staat tun wird.

Mit dieser pro7-News-reifen Überleitung komme ich zu den Wahlen. Nicht weit von uns gab es in irgendeiner Schule zwei Wahllokale. Ich machte mich mit Kamera dazu auf, um Demokratie hautnah zu erleben und schoss auch ein paar Fotos. Jedoch erstickte ein anwesender Polizist meine junge Systemtreue im Keim und zwang mich, einige Fotos zu löschen. Die, die nun übriggeblieben sind, sind total langweilig und werden deshalb nur kurz von mir beschrieben anstatt hochgeladen. Bild 1: Eine Schule von außen. Bild 2: Der Korridor einer Schule mit zwei Menschen darin. Bild 3: Eine Wahlliste, auf der man nichts erkennt. Verdammt.

Alleingelassen in Rom schaute ich mir heute noch den gigantischen Park der Villa Pamphilij an, der von mir ab jetzt zum schönsten Teil Roms erklärt worden ist. Die Ausmaße kann ich nicht beschreiben, aber wenn ich Ahnung hätte und übertreiben wollte, würde ich ihn mit dem Central Park vergleichen, weenn ich Ahnung hätte und weenn Rom so groß wäre wie New York C. Er war aber wirklich groß und schön. So schön, dass meine Kamera das gar nicht hätte einfangen können – nicht mal dann, wenn ich nicht vergessen hätte sie mitzunehmen. Ansonsten verbring ich bei dauernd fies regnerischem Wetter viel Zeit damit zu zeichnen, zu lernen, zu lesen uuund alle 500 Folgen One Piece zu schauen! Bam!

One Piece

Ahoi!

Maledetta Primavera

TurmMitte Februar brach hier nach heftigen Stürmen und Regenfällen plötzlich la Primavera, der Frühling an. Steigt man aus einem Metroschacht heraus, wird man schon des öfteren von einem Sonnenstrahl getroffen, der baldiges Erwachen erahnen lässt. Die Kinder sind wieder länger draußen und feiern mit viel Konfetti und bunten Kostümen den Karneval. Vor dem Schlüsselloch vor unserem Haus versammeln sich wieder mehr Touristen. Und auch wir legen unser Wintergefieder ab und gehen wieder öfter raus. Als erstes erfüllten wir uns den langgehegten Wunsch, etwas zu besuchen, was man schon von meinem Zimmerfenster aus sehen kann. Im Hof des Museums Macro steht ein großes Bambuskonstrukt, das sich weit über die Dächer Testaccios erstreckt. Wir wissen schon seit einiger Zeit, das man es besichtigen und sogar besteigen kann, hatten es aber noch nie getan. Dabei bietet es sich tatsächlich an, denn der Besuch ist kostenlos und der Blick fast einzigartig, wenn wir nicht unseren Turm hätten. Die kegelförmige Konstruktion besteht ausschließlich aus Bambusstöcken und wird von Schnürsenkeln zusammengehalten. Das knirscht und stöhnt zwar an allen Enden, ist aber überraschend stabil. Trotzdem meinen Lukas und ich, dieses Ding noch im Laufe des Jahres kippen zu sehen. Und werden es von meinem Zimmerfenster aus verfolgen.

Bambus

Bambusschatten

Klapprig

Vor einigen Tagen, als der Papst noch Papst war und als solcher nach Sant‘ Anselmo zur Begehung des Aschermittwochs kommen sollte, führten die Anzugmenschen vom Vatikan um elf Uhr morgens/mittags=vormittags eine Übungslandung mit dem vatikanischen Helikopter durch. In der Nähe des Pools befindet sich eine große Wiese, die geeignet schien. Auch das ließen wir uns natürlich nicht entgehen und ich hatte die Gelegenheit ein paar Fotos zu machen.

Kop

Das Ganze war nicht unglaublich spannend, aber erst das zweite Mal, dass ich einen Hubschrauber aus nächster Nähe habe landen sehen.

Kopkop

Auf einen Geheimtipp der Direktorin des Macromuseums hin (wen man so kennenlernt, wenn man nach der Uhrzeit fragt) besuchten wir den Hinterhof der modernen Kunstsammlung am Karneval noch einmal. Dort gab es eine Aufführung von Capoeira-Kämpfern oder -tänzern, weiß nie genau, was das sein soll. Von diesen rund zehn Kämpfern hatten es rund acht allerdings überhaupt nicht drauf (siehe Foto rechts), weswegen es eher unfreiwillig lustig aussah als imponierend. Nur die beiden Lehrer hatten einige beeindruckende Moves drauf.

Kapoera

Im Zuge dieser Veranstaltung schauten wir uns diesen Hinterhof genauer an. Ich hielt die römischen Street Artisten bisher immer für beeindruckend schlecht, hab dort aber einige interessante Gemälde gefunden.

Madl

Hände

Ele

Katz

Der auf den ersten Blick etwas fade Stadtteil Testaccio, der sich um den alten Scherbenhügel aufbaut, hat insgesamt doch etwas mehr zu bieten als teure Wohnungs- und Cannabispreise.

Scherbenhühgel

Ich freue mich jetzt erst mal auf das Spiel Rom gegen Juve, das ich im Stadio Olimpico anschauen werde. Hoffentlich bleibe ich als Juvesympathisant undercover.

Billett

An irgendeinem Morgen verkündete mir Lukas mit hm, ja, doch schon unverhohlener Freude im Gesicht an, dass der Papst zurückgetreten ist, womit meine Wette gegen Christopher übrigens gewonnen ist. 😉 Das bedeutet aufregenderweise, dass wir ein Konklave mitbekommen, das wir sogar entspannt von unserem Balkon aus verfolgen können. Man sieht die Sistina. Die Sekretärin des noch amtierenden hat indes alle Termine gecancelt und damit auch unseren Aschermittwochsgottesdienst. Die ganzen Kriecher hier, die sich flux im Ministrantendienst eingetragen haben, um möglichst in der Nähe der sagenumwobenen Papstaura zu stehen, dürfte das wohl ziemlich enttäuscht haben. Stattdessen wurde der Gottesdienst im Hauptquartier gefeiert. Aufgrund der Massen, die dort schon seit dem Morgen standen, entschlossen Lukas und ich, wenn man verschlafen als Entschluss auffasst, dort nicht hinzugehen. Wir wurden mit einem großartig leerem Gebäude belohnt, in dem man endlich mal wieder voll aufgedreht Musik hören konnte, ohne dass eine dieser Ratten sich beim Prior beschwert. Mir fiel infolge des „Wer darf im Papstgottesdienst Ministrant sein“-Streits eine erstaunliche Parallele zwischen der Autoritätsgläubigkeit der Kirche und dem Film The Human Centipede auf. Die werde ich jetzt allerdings nicht näher erläutern.

Bug

Achja, und in unserem Aufzugschacht ist eine tote Maus.

Verstärkung gesucht!

Bist Du zufällig auf unsere Seite gekommen? Hast Du einen unserer Flyer entdeckt oder bist Du über unser Plakat an der Kirche auf uns aufmerksam geworden?

Egal, ob Du Dich in der Vorbereitung zur Erstkommunion befindest oder ob Du jene schon empfangen hast: Wir brauchen jungen Nachwuchs wie Dich im Alter bis 18 Jahre für unsere Gruppe.

Trotz der Vielzahl von Ordensgemeinschaften in Würzburg können wir zurecht behaupten, dass wir die größte Ministrantengruppe der Klöster hier in der Stadt stellen, die zudem auf eine jahrzehntelange Tradition zurückblicken kann.

FlyerAuch wenn es an den Hochfesten dank der Unterstützung von altgedienten Ministranten nicht so scheint, fehlt es uns an jungen Nachwuchskräften an den restlichen Sonn- und Feiertagen im Jahr.

Wir haben vier Gottesdienste am Wochenende, davon eine Vorabendmesse am Samstagabend um 18 Uhr und drei Gottesdienste am Sonntag um 09.30 Uhr, 11 Uhr und um 18 Uhr mit der vorausgehenden Vesper. Dadurch finden im Moment meistens zwei Gottesdienste ohne Ministranten statt, deren Dienst dann die Klosterbrüder übernehmen müssen, wie das auch woanders üblich ist.

Im Unterschied zur Pfarrei hast Du in einer Klosterkirche nicht nur mehr Gottesdienste zur Auswahl, sondern auch verschiedene Priester, die sich bei den Zeiten abwechseln. Taufen, Beerdigungen oder Hochzeiten gehören nicht zu unserem Einsatzgebiet, dafür ordensinterne Festlichkeiten, die es in der Pfarrei wiederum nicht gibt.

Neben unserem Dienst nach Plan pflegen wir unsere Gemeinschaft durch regelmäßige Gruppenstunden oder Ministrantenfreizeiten.

Wenn Du Lust hast, uns kennen zu lernen, dann sprich uns nach dem Gottesdienst an, schreibe eine Email oder melde dich an der Klosterpforte. Wir beißen nicht und freuen uns auf Deine Unterstützung.

Vielleicht sind Sie auch als Eltern auf uns aufmerksam geworden und würden es gerne sehen, wenn Ihr Kind bei uns als Ministrant tätig wird. Auch in diesem Fall freuen wir uns, wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen.

Wir waren Papst

Erst letzte Woche kam der Brief von der Präfektur des Päpstlichen Hauses mit der Reservierungsnummer für die Audienzkarten. Heute überrascht uns die Meldung über den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. zum 28. Februar 2012, in nicht viel mehr als zwei Wochen. Damit ist er nach Papst Coelestin V. (1294) erst der zweite Papst, der von seinem Amt zurücktritt. Wie die Zeitungen berichten, wird er in das bisherige Kloster Mater Ecclesiae innerhalb der Vatikanmauern ziehen, das zeitweise (1999-2004) auch Karmelitinnen bewohnten, um dort in Gebet und Meditation seinen Lebensabend zu verbringen.

Vincent, Du hattest also Recht mit Deiner im Herbst geäußerten Behauptung, dass wir im Mai einen neuen Papst erleben werden. Aus der Nähe konnte man schon im vergangenen Jahr einen alten, gezeichneten Mann sehen, sodass dieser sicher lange überlegte Schritt und die gesundheitliche Begründung nachvollziehbar sind. Nun sind wir besonders gespannt, was uns unser römischer Korrespondent auf dem Aventin von seiner letzten Begegnung am Aschermittwoch in Sant‘ Anselmo und dem anstehenden Konklave zu erzählen hat. Bei unserer Ministranten-Fahrt nach Rom werden wir – falls sich die Kardinäle bis dahin geeinigt haben – auf jeden Fall einen neuen  Pontifex Maximus antreffen. Laut Vatikansprecher Federico Lombardi soll der weiße Rauch ja schon vor Ostern gen Himmel steigen.

Fronleichnamsprozession 2012 in Rom (© MdKkW)
Fronleichnamsprozession 2012 in Rom (© MdKkW)

…beginnt für die Droogs der Tag!

Uh, viel passiert. Da wir in Rom jetzt so langsam wissen, wie man von den spanischen Treppen zum Trevibrunnen kommt (immer den Schildern folgen), nahmen wir jännerlichen Frühlingseinbruch mit Lauwärmewellen, die über Rom hinwegfegen, … zur Kenntnis. Und zur Gelegenheit uns mal die Dörfer um Rom herum vorzunehmen, die von sagenhafter Schönheit sein sollen – und sind! Zumindest eins von ihnen. Da wir für die echten Paukenschläge wie Tivoli noch wärmere Wetter abwarten wollten, weil man da im Sommer so schön Spanferkel essen und Wein trinken (hm, schade) kann, beschlossen wir, einfach mal blind den Finger auf die Landkarte sausen zu lassen. Der versank dann glücklicherweise nicht im Ozean, sondern zeigte auf ein kleines Kaff namens Bracciano, wohin alle halbe Stunde ein Zug von Ostiense aus aufbricht. Die Fahrt kostet günstige 3€ pro Person. Für den geneigten Schwarzfahrer, der einfach die Stempelautomaten übersieht, gibt es auch gerne mal eine Freifahrt. Das Dorf ist unglaublich schön und die reinste Bilderbuchkulisse. Es liegt auf einem Berg im Schatten einer kleinen komplett erhaltenen Burg überhalb eines großen Sees, auf den man einen grandiosen Ausblick hat. Ich schoss Fotos wie verrückt, denn die Sonne stand noch absolut perfekt. Ins Innere der Burg kamen wir leider nicht, da die Burg am Montag geschlossen war. Wenn man eines nach sechs Monaten Italien wissen sollte, ist es, dass Montag Ruhetag ist. Wir Idioten! Aber wir hatten ja nicht gestempelt, also kehrten wir einfach nochmal zurück zu einer Zeit, zu der die Burg eigentlich noch geöffnet gewesen sein hätte müssen…sollen. War’s dann aber nicht, großartig. Wir waren also beim zweiten Mal völlig umsonst da, denn das Dorf ist zwar auch dann noch schön, jedoch immer noch genauso klein wie beim ersten Mal, und so langsam fragt man sich, wie Menschen so abgeschieden auf einem Berg wohnen können, von wo aus keine erkennbare Straße wegführt. Natürlich gibt es eine, aber es war doch schon sehr verlassen dort. Hier auf jeden Fall einige Bilder:

Zug

Bratsche

Burg

Schild

Buuurg

Kärch

Tuch

Buuuuurg

Seee

Den letzten Freitag des Monats Jänner nutzten wir dann, um in die Vatikanischen Museen zu gehen. Hauptmotiv: Gratis! Naiverweise dachten wir, dass sei ein Geheimtipp und wer sei schon im Januar in Rom? Pustekuchen! Doch durch den fehlenden Ticketverkauf waren wir recht schnell im Inneren und taten uns an international geraubten Kunstschätzen gütlich. War beim ersten Mal irgendwie beeindruckender und doch: Ich habe einen echten Van Gogh gesehen. Das allein war es schon wert, auch wenn einige verkümmerte Paul Klee-Machwerke die Freude fast zu trüben vermochten. Und auch hier noch einige Bilder. Und damit verabschiede ich mich!

Laokoppookn

Gut, dass ich den nochmal fotografiert hab. War mir nicht sicher, obs davon schon Bilder gibt.

Bischof

Icke

Dit bin ick.

Baum und Peter